BOGESTRA: Analyse zeigt wachsendes Defizit und Investitionsstau
Die Bochumer Ratsgruppe Die STADTGESTALTER hat die wirtschaftliche Lage der BOGESTRA mit anderen Nahverkehrsunternehmen verglichen. Bis 2030 soll ein Verlust von 121 Millionen Euro entstehen.
- 16.09.2026 um 09:54
- Bochum
Die Ratsgruppe Die STADTGESTALTER hat eine Analyse zur wirtschaftlichen Entwicklung der BOGESTRA veröffentlicht, die insbesondere in Bochum, Gelsenkirchen und Witten Bus und Bahn betreibt. Demnach ist der Verlust des Unternehmens von 60 Millionen Euro im Jahr 2019 auf 94,6 Millionen Euro im Jahr 2025 gestiegen. Für 2030 rechnet die BOGESTRA laut einer Beschlussvorlage der Verwaltung mit einem Defizit von 121 Millionen Euro.
Die STADTGESTALTER weisen darauf hin, dass die Verbindlichkeiten des Unternehmens aktuell 283 Millionen Euro betragen. Die Investitionstätigkeit sei nahezu eingestellt worden. Bereits seit 2023 gelte die BOGESTRA als Sanierungsfall.
Nach Angaben der STADTGESTALTER sanken die Fahrgastzahlen von 2019 bis 2025 trotz Einführung des Deutschlandtickets um 23 Millionen. Der Anteil der mit Bus und Bahn zurückgelegten Wege am gesamten Verkehr (Modal Split) sei in allen drei Städten des BOGESTRA-Tarifgebiets in den vergangenen zehn Jahren zurückgegangen: in Bochum von 15,7 Prozent (2013) auf 13,3 Prozent (2023), in Gelsenkirchen von 14 Prozent (2013) auf 11 Prozent (2020) und in Witten von 15 Prozent (2014) auf 8 Prozent (2023). Insgesamt sei der Anteil der BOGESTRA von 15 auf 11,8 Prozent gesunken.
Im Vergleich mit Nahverkehrsunternehmen anderer Großstädte, in denen der ÖPNV-Anteil bei 19 Prozent und höher liege, zeige sich laut den STADTGESTALTERn ein deutlicher Rückstand der BOGESTRA. Die Umsatzerlöse pro Einwohner lägen bei 191 Euro, in anderen Städten zwischen 83 Euro (Frankfurt) und 244 Euro (Nürnberg) höher. Auch bezogen auf die Beschäftigten erwirtschafte die BOGESTRA mit 56.777 Euro pro Kopf weniger als vergleichbare Unternehmen in Köln oder Nürnberg.
Der Kostendeckungsgrad der BOGESTRA liege bei 49 Prozent. Nur in Köln sei dieser mit 44 Prozent noch niedriger, während er in Nürnberg und Dresden bei knapp 70 Prozent liege. Um auf einen Kostendeckungsgrad von 67 Prozent zu kommen, fehlten der BOGESTRA nach der Berechnung der STADTGESTALTER 25 Millionen Euro an Umsatzerlösen.
Auch bei den Investitionen liege die BOGESTRA weit hinter anderen Städten zurück: Während andere Großstädte 2025 zwischen 23,3 und 193,4 Millionen Euro in den Ausbau ihres Nahverkehrs investiert hätten, seien es bei der BOGESTRA lediglich 4,8 Millionen Euro gewesen. Über den Zeitraum von 2021 bis 2025 hätten die Investitionen insgesamt nur 55,2 Millionen Euro betragen.
Die STADTGESTALTER beziffern den Konsolidierungsbedarf der BOGESTRA bis 2030 auf 36 Millionen Euro. Diese Summe ergebe sich aus der Differenz zwischen der rechnerisch fortgeschriebenen Kostenentwicklung und dem vom Unternehmen selbst prognostizierten Defizit von 121 Millionen Euro.
Zum Fahrplanwechsel am 7. Januar 2027 ist laut einer weiteren Vorlage der Verwaltung bereits die Einstellung einer Linie sowie die Ausdünnung von fünf weiteren Linien vorgesehen. Diese Maßnahmen sollen jedoch lediglich 0,9 Millionen Euro einsparen, sodass nach Einschätzung der STADTGESTALTER weitere, deutlich drastischere Schritte zur Kostensenkung erforderlich seien.
Die STADTGESTALTER sprechen sich dafür aus, die BOGESTRA mit anderen Nahverkehrsunternehmen der Region zu einem gemeinsamen Unternehmen zusammenzuführen und ein gemeinsames Investitionsprogramm für den ÖPNV im Ruhrgebiet aufzulegen. Ob dieser Vorschlag von der Lokalpolitik aufgegriffen wird, ist offen.
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- Quelle(n):
Autor
Nils Bettinger
Gründer und Redaktionsleiter.
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